putzen

Fisch ausnehmen und zerteilen ohne Gestank: So bleibt die Küche geruchsfrei

Von Mara Vogt, Redaktion

Fisch ausnehmen und zerteilen ohne Gestank: So bleibt die Küche geruchsfrei

Wer schon einmal einen frisch gefangenen Fisch in der Küche verarbeitet hat, kennt das Problem: Selbst wenn das Filet danach hervorragend schmeckt, hängt der typische Fischgeruch stundenlang in Schneidbrett, Händen und Küche. Das lässt sich mit ein paar gezielten Kniffen deutlich reduzieren – nicht durch Parfümieren, sondern durch saubere Handarbeit, die verhindert, dass der Geruch überhaupt erst entsteht.

Warum Fisch überhaupt so riecht

Der typische „Fischgeruch“ entsteht nicht durch den Fisch selbst, sondern durch den Abbau von Trimethylaminoxid, einer Verbindung, die vor allem in Meeresfischen vorkommt. Sobald das Tier stirbt, wandeln Bakterien und Enzyme diesen Stoff in Trimethylamin um – genau das ist die Substanz, die diesen stechenden, „fischigen“ Geruch verursacht. Je länger der Fisch bei Raumtemperatur liegt und je mehr er mit Luft und Wärme in Kontakt kommt, desto stärker wird dieser Prozess.

Süßwasserfische riechen aus diesem Grund oft milder als Meeresfische, weil sie weniger Trimethylaminoxid enthalten. Das erklärt auch, warum ein Fisch, der direkt nach dem Fang oder Kauf verarbeitet wird, deutlich weniger riecht als einer, der schon einen Tag im Kühlschrank lag. Kühle Temperaturen verlangsamen den bakteriellen Abbau erheblich, stoppen ihn aber nicht.

Für die Lagerung von Lebensmitteln allgemein gilt: Je kürzer die Zeit zwischen Fang beziehungsweise Kauf und Verarbeitung, desto besser – und je konstanter die Kühlkette eingehalten wird, desto länger bleibt die Qualität erhalten. Details zur richtigen Kühlung von Lebensmitteln finden sich beim Bundesinstitut für Risikobewertung.

Vorbereitung: Der Grundstein gegen Gerüche

Bevor überhaupt ein Messer zum Einsatz kommt, entscheidet die Vorbereitung darüber, wie stark die Küche später riecht.

Der richtige Zeitpunkt

Verarbeite den Fisch möglichst bald nach dem Kauf oder Fang. Liegt er noch einige Stunden im Kühlschrank, wickle ihn locker in Frischhaltefolie oder lege ihn in eine verschlossene Dose, damit sich der Geruch nicht auf andere Lebensmittel übertragt. Fisch nimmt Gerüche aus der Umgebung auf und gibt eigene ab – ein Grund, warum er im Kühlschrank nie offen neben anderen Speisen liegen sollte.

Die Arbeitsfläche vorbereiten

Ein Schneidbrett aus Kunststoff lässt sich hygienischer reinigen als eines aus Holz, weil es weniger porös ist und in der Spülmaschine gewaschen werden kann. Wer trotzdem mit Holz arbeitet, sollte ein Brett benutzen, das ausschließlich für Fisch reserviert ist. Lege zusätzlich mehrere Lagen Zeitungspapier oder eine Folie unter das Brett – das fängt Tropfwasser auf und verkürzt die spätere Reinigung erheblich.

Stelle eine Schüssel mit kaltem Wasser und etwas Essig oder Zitronensaft bereit. Darin kannst du die Hände zwischendurch abspülen, ohne jedes Mal zum Wasserhahn laufen zu müssen. Säure bindet einen Teil der geruchsbildenden Amine und macht die Hände zwischendurch spürbar weniger riechig.

Eine Person filetiert frischen Lachs mit einem Messer auf einem weißen Schneidebrett in der Küche.

Ausweiden ohne Geruchsexplosion

Das Ausweiden ist der Schritt, bei dem die stärksten Gerüche entstehen, weil Innereien und Gallenblase geöffnet werden. Hier zählt Präzision mehr als Tempo.

Schritt für Schritt vorgehen

  1. Schuppen entfernen (falls nötig): Halte den Fisch unter kaltem, fließendem Wasser und schabe mit einem stumpfen Messer oder Schuppenentferner von hinten nach vorne gegen die Wuchsrichtung. Das Wasser spült lose Schuppen und erste Schleimreste direkt weg, bevor sie antrocknen und riechen können.

  2. Bauch öffnen: Setze das Messer am After an und führe einen flachen Schnitt bis zum Kiemenansatz. Wichtig: nicht zu tief schneiden, sonst verletzt du die Innereien und besonders die Gallenblase – deren Inhalt ist bitter und riecht intensiv, sobald er austritt.

  3. Innereien entfernen: Ziehe Darm, Magen und die übrigen Organe vorsichtig mit den Fingern oder einem Löffel heraus. Bei größeren Fischen hilft ein Löffel, um die dunkle Niere entlang der Wirbelsäule restlos zu entfernen – dieses Blutgewebe ist eine der Hauptquellen für unangenehmen Geruch, wenn es zurückbleibt.

  4. Kiemen entfernen: Die Kiemen speichern viel Blut und zersetzen sich schneller als das übrige Fleisch. Schneide sie mit einer Scherenbewegung heraus, statt sie im Fisch zu lassen.

  5. Gründlich unter kaltem Wasser spülen: Spüle die Bauchhöhle so lange, bis kein Blut mehr austritt. Manche schwören auf einen letzten Spülgang mit leicht salzigem Wasser, weil Salz zusätzlich desinfizierend wirkt und Schleimreste löst.

Die Rolle des Bluts entlang der Wirbelsäule

Bei vielen Fischarten verläuft eine dunkle Blutlinie direkt unter der Wirbelsäule. Sie wird oft übersehen, ist aber einer der größten Geruchsträger im gesamten Fisch. Mit der stumpfen Rückseite eines Messers oder einer alten Zahnbürste lässt sie sich unter fließendem Wasser gut auskratzen. Wer diesen Schritt konsequent macht, reduziert den späteren Fischgeruch beim Braten oft deutlicher als durch jedes nachträgliche Aromamittel.

Zerteilen: Filetieren, Portionieren und Zerlegen

Nach dem Ausweiden folgt das Zerteilen – je nachdem, ob der Fisch ganz gegart, in Steaks geschnitten oder filetiert werden soll.

Filetieren

Lege den Fisch flach auf das Brett und setze das Messer direkt hinter der Kiemenöffnung an. Schneide entlang der Wirbelsäule in einer durchgehenden Bewegung zum Schwanz hin, wobei die Klinge möglichst flach über den Knochen gleitet. Ein dünnes, flexibles Filiermesser erleichtert das erheblich gegenüber einem starren Kochmesser. Nach dem ersten Filet den Fisch wenden und auf der zweiten Seite wiederholen.

Wer die Technik für unterschiedliche Fischformen – runde Fische wie Forelle oder Dorade, platte wie Scholle oder Seezunge – Schritt für Schritt nachlesen möchte, findet sie in Fisch ausnehmen und filetieren wie ein Profi: Die komplette Anleitung.

Steaks oder Koteletts schneiden

Für Steaks wird der Fisch quer zur Wirbelsäule in gleichmäßige Scheiben von etwa zwei bis drei Zentimetern Dicke geschnitten. Das funktioniert besonders gut bei größeren, rundlichen Fischarten wie Lachs oder Thunfisch. Ein schweres, stabiles Messer erleichtert den Schnitt durch die Wirbelsäule.

Haut entfernen

Lege das Filet mit der Hautseite nach unten auf das Brett. Fasse die Haut am Schwanzende mit einem Küchentuch, damit sie nicht abrutscht, und führe das Messer flach zwischen Fleisch und Haut hindurch, während du die Haut leicht gegen die Klinge ziehst. Die Haut selbst riecht bei manchen Arten intensiver als das Fleisch, weshalb sie zügig entsorgt werden sollte, statt lange in der Küche zu liegen.

Eine Person schneidet mit einem langen Messer ein rotes Fischfilet (Thunfisch) auf einem Holzbrett zurecht.

Reste, Küche und Hände: Gerüche nach der Verarbeitung vermeiden

Der eigentliche Verarbeitungsschritt ist oft nicht das Problem – die Gerüche, die danach in Küche und Kleidung hängen bleiben, sind es.

Innereien und Abfälle sofort entsorgen

Verpacke Köpfe, Gräten, Haut und Innereien direkt in einen doppelten Plastikbeutel und bringe sie möglichst rasch in die Außenmülltonne, statt sie im Küchenmüll aufzubewahren. Wärme beschleunigt die Zersetzung – ein Abfallbeutel, der über Nacht in der Küche steht, entwickelt einen deutlich stärkeren Geruch als einer, der direkt entsorgt wird.

Hände geruchsfrei bekommen

Fischgeruch an den Händen entsteht durch die Bindung von Trimethylamin an Hautfette. Reines Händewaschen mit Seife löst das Problem nur teilweise, weil Seife vor allem Fette entfernt, aber die geruchsbildenden Amine nicht immer vollständig bindet. Bewährt haben sich folgende Hausmittel:

  • Zitronensaft oder Essig: Die Säure reagiert mit den Aminverbindungen und neutralisiert einen Teil des Geruchs. Einfach die Hände einige Minuten mit Zitronensaft einreiben, dann mit Seife nachwaschen.
  • Edelstahl: Ein Stück Edelstahl (etwa ein Löffel) unter fließendem Wasser über die Hände reiben – ein oft berichteter Trick, dessen Wirkung sich chemisch nicht restlos erklären lässt, der aber in der Praxis von vielen als hilfreich beschrieben wird.
  • Salz und Öl: Eine Mischung aus grobem Salz und etwas Speiseöl als Peeling wirkt mechanisch und entfernt Fettreste, an denen sich Geruchsstoffe festsetzen.

Schneidbrett und Messer richtig reinigen

Spüle Brett und Messer sofort nach der Verarbeitung mit kaltem Wasser vor, bevor du sie mit heißem Wasser und Spülmittel wäschst. Heißes Wasser als erster Schritt kann Proteine denaturieren und regelrecht in die Oberfläche „einbrennen“ – das erschwert die spätere Reinigung und verstärkt Gerüche. Ein zusätzlicher Abrieb mit Zitronenscheiben oder eine Essigspülung entfernt hartnäckige Geruchsreste, besonders bei Holzbrettern, die Gerüche stärker aufnehmen als Kunststoff.

Grundsätzliche Hinweise zur Küchenhygiene und zur Reinigung von Schneidflächen bietet die Verbraucherzentrale, allgemeine Empfehlungen zur Lebensmittelhygiene finden sich zudem beim Bundesinstitut für Risikobewertung.

Küche und Luft

Nach dem Verarbeiten hilft kurzes, kräftiges Stoßlüften deutlich mehr als Raumsprays, die den Geruch nur überdecken. Eine Schüssel mit Essigwasser oder ausgepressten Zitronenschalen, die für eine Weile in der Küche steht, bindet einen Teil der Geruchsmoleküle aus der Luft. Wer eine Dunstabzugshaube besitzt, sollte sie während der gesamten Verarbeitung laufen lassen, nicht erst danach.

Häufig gestellte Fragen

Warum riecht mancher Fisch stärker als anderer, obwohl beide frisch sind? Das liegt am Trimethylaminoxid-Gehalt der jeweiligen Art. Meeresfische wie Makrele oder Hering enthalten davon deutlich mehr als Süßwasserfische wie Forelle oder Karpfen, weshalb sie auch bei bester Frische intensiver riechen können.

Hilft Milch wirklich gegen Fischgeruch, wie oft behauptet wird? Das Einlegen in Milch ist ein verbreiteter Küchentipp, dessen Wirkung nicht einheitlich belegt ist. Milchproteine können geruchsbildende Amine teilweise binden, der Effekt fällt in der Praxis aber unterschiedlich stark aus und ersetzt keine sorgfältige Verarbeitung.

Wie lange darf ausgenommener Fisch ungekühlt liegen, bevor er unangenehm riecht? Fisch sollte generell nicht länger als unbedingt nötig ungekühlt liegen, da sich Geruchsstoffe schon bei Raumtemperatur innerhalb kurzer Zeit bilden können. Grundsätze zur richtigen Kühlung von Lebensmitteln erläutert das Bundesinstitut für Risikobewertung.

Warum riecht die Küche noch Stunden nach dem Verarbeiten, obwohl alles gereinigt wurde? Feine Geruchspartikel setzen sich an Textilien, Vorhängen und porösen Oberflächen fest. Gründliches Lüften über mehrere Minuten sowie das Waschen von Geschirrtüchern, die beim Verarbeiten benutzt wurden, beseitigen diese Rückstände zuverlässiger als kurzes Lüften allein.

Verändert eingefrorener und wieder aufgetauter Fisch den Geruch beim Verarbeiten? Ja, tendenziell etwas stärker, da durch das Auftauen mehr Zellflüssigkeit austritt, in der sich Bakterien schneller vermehren können. Zügiges, im Kühlschrank durchgeführtes Auftauen und sofortiges Verarbeiten danach minimieren diesen Effekt.

Quellen

Praktische Tipps per E-Mail

Eine kurze, nützliche E-Mail, wenn wir etwas Neues veröffentlichen. Kein Spam.

Mit der Anmeldung erklärst du dich einverstanden, E-Mails von Kniffreich zu erhalten. Jederzeit abbestellbar.