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Kühlschrank richtig abtauen und hygienisch lagern: Anleitung

Von Mara Vogt, Redaktion

Kühlschrank richtig abtauen und hygienisch lagern: Anleitung

Warum das regelmäßige Abtauen mehr ist als Kosmetik

Ein dicker Eispanzer im Gefrierfach sieht nicht nur unschön aus, er kostet auch Geld. Schon eine fünf Millimeter starke Eisschicht kann den Stromverbrauch eines Kühl- oder Gefriergeräts messbar erhöhen, weil der Kompressor länger arbeiten muss, um die eingestellte Temperatur zu halten. Gleichzeitig sinkt die Kühlleistung im Innenraum, was wiederum die Haltbarkeit von Lebensmitteln beeinträchtigt. Wer seinen Kühlschrank nie richtig abtaut und reinigt, riskiert also nicht nur eine höhere Stromrechnung, sondern auch Gerüche, Schimmelbildung und im schlimmsten Fall verdorbene Lebensmittel.

Dieser Artikel zeigt, wie oft ein Abtauen wirklich nötig ist, wie man dabei Schritt für Schritt vorgeht, welche Unterschiede es zwischen No-Frost-Geräten und klassischen Kühlschränken gibt und wie man Lebensmittel danach so lagert, dass sie länger frisch bleiben.

Wie oft sollte man den Kühlschrank abtauen?

Bei klassischen Kühlschränken mit statischer Kühlung (also ohne Umluftsystem) bildet sich Eis meist an der Rückwand oder im Gefrierfach. Eine grobe Faustregel: Sobald die Eisschicht dicker als etwa vier bis fünf Millimeter ist, sollte abgetaut werden. Je nach Nutzung und Luftfeuchtigkeit in der Küche ist das alle sechs bis acht Wochen der Fall. No-Frost-Geräte mit automatischer Abtaufunktion benötigen dagegen kaum manuelles Abtauen, sollten aber trotzdem mindestens ein- bis zweimal im Jahr komplett gereinigt werden, da sich auch dort Ablagerungen und Gerüche bilden.

Frau nimmt Lebensmittel aus einem geöffneten Kühlschrank

Kühlschrank abtauen: Schritt-für-Schritt-Anleitung

1. Vorbereitung und Lebensmittel auslagern

Bevor es losgeht, den Kühlschrank ausschalten oder den Netzstecker ziehen. Alle Lebensmittel herausnehmen und für die Dauer des Abtauens kühl zwischenlagern, etwa in einer Kühltasche mit Kühlakkus, in einer Box mit Kühlelementen im Keller oder notfalls kurzfristig auf dem Balkon, wenn die Außentemperatur niedrig genug ist. Tiefkühlware sollte möglichst schnell wieder eingefroren oder zeitnah verarbeitet werden, da sie bei Zimmertemperatur rasch antaut.

2. Türen offen lassen und Handtücher auslegen

Kühlschrank- und Gefrierfachtür weit öffnen, damit die warme Raumluft an die Eisschicht gelangt. Auf den Boden vor dem Gerät sowie in die unterste Ablage Handtücher oder alte Frotteetücher legen, um das Tauwasser aufzufangen. Wer es schneller mag, stellt eine Schüssel mit warmem (nicht kochendem) Wasser ins Gefrierfach – der aufsteigende Dampf beschleunigt das Abtauen deutlich, ohne das Gerät zu beschädigen.

3. Kein Werkzeug, kein Föhn, kein heißes Wasser

Ein häufiger Fehler: Mit einem Messer oder Schaber wird versucht, das Eis abzukratzen. Dabei können Kühlrippen oder die Kunststoffbeschichtung beschädigt werden, was zu Kältemittelverlust oder Rissen führt. Auch ein Föhn oder kochendes Wasser sind ungeeignet, da starke Temperaturunterschiede das Material spröde machen oder Glasablagen springen lassen können. Geduld ist hier die sicherste Methode – je nach Eisdicke dauert der Vorgang ein bis drei Stunden.

4. Innenraum reinigen

Sobald das Eis geschmolzen und das Tauwasser aufgewischt ist, den Innenraum mit einer milden Reinigungslösung säubern. Bewährt hat sich eine Mischung aus warmem Wasser und einem Schuss Essig oder etwas Spülmittel. Aggressive Scheuermittel oder stark parfümierte Reiniger sollten vermieden werden, da sie Gerüche in Kunststoffteile einziehen lassen können, die später auf Lebensmittel übergehen. Dichtungen an der Tür verdienen besondere Aufmerksamkeit: Dort setzen sich häufig Schimmelsporen und Essensreste fest. Eine alte Zahnbürste hilft, auch die Rillen der Gummidichtung gründlich zu erreichen.

5. Trocknen und wieder einschalten

Den Innenraum vollständig trocken wischen, bevor das Gerät wieder ans Stromnetz angeschlossen wird. Restfeuchte begünstigt erneute Eisbildung und Schimmel. Nach dem Einschalten sollte der Kühlschrank etwa 30 bis 60 Minuten laufen, bevor Lebensmittel wieder eingeräumt werden, damit die Zieltemperatur erreicht ist.

Hygienische Lagerung: Wo welches Lebensmittel hingehört

Ein frisch abgetauter Kühlschrank bringt nur dann etwas, wenn Lebensmittel danach auch richtig sortiert werden. Die Temperatur ist im Kühlschrank nicht überall gleich verteilt, das lässt sich gezielt nutzen.

Oberste Fächer (ca. 8 °C)

Hier ist es am wärmsten. Geeignet für Marmelade, Butter, Getränke und Speisereste, die ohnehin bald verzehrt werden.

Mittlere Fächer (ca. 5-6 °C)

Hier gehören Milchprodukte wie Joghurt, Quark und angeschnittener Käse hin, ebenso vorbereitete Speisen in verschlossenen Behältern.

Unterstes Fach (ca. 2-4 °C, kältester Bereich)

Rohes Fleisch, Fisch und Wurst sollten immer ganz unten gelagert werden, am besten in einer separaten Schale, damit eventuell austretender Saft nicht auf andere Lebensmittel tropfen kann. Dieser Bereich ist am kältesten, weil kalte Luft nach unten sinkt.

Gemüsefach

Das Gemüsefach hat meist eine eigene, etwas höhere Temperatur und reguliert die Luftfeuchtigkeit. Obst und Gemüse gehören hierhin – allerdings nicht wahllos gemischt: Äpfel und Bananen setzen Ethylen frei, ein Reifegas, das andere empfindliche Sorten wie Beeren oder Blattgemüse schneller altern lässt. Wer Platz hat, trennt Ethylen-Produzenten von empfindlicher Ware.

Speziell für Wurzelgemüse lohnt sich ein Blick in Möhren und Wurzelgemüse richtig im Kühlschrank lagern: So bleiben sie länger frisch.

Kühlschranktür

Die Tür ist der wärmste und am stärksten temperaturschwankende Bereich, da sie bei jedem Öffnen kurz Warmluft abbekommt. Sie eignet sich für Dinge, die ohnehin recht stabil sind: Senf, Ketchup, eingelegte Gurken, Getränke. Frische Milch sollte trotz der oft dort vorgesehenen Halterung besser ins Innere wandern.

Wie du die Gummidichtungen der Tür besonders gründlich pflegst, erklärt Kühlschranktür und Gummidichtungen hygienisch pflegen: So bleibt die Dichtung sauber.

Gerüche vermeiden und Kreuzkontamination verhindern

Lebensmittel abdecken und richtig verpacken

Offene Schüsseln verteilen Gerüche im ganzen Innenraum und trocknen schneller aus. Frischhaltedosen mit Deckel, Bienenwachstücher oder wiederverwendbare Silikonhauben sind hier praktischer als offene Teller mit loser Folie. Wer Frischhaltefolie einsetzt, sollte sie geruchsneutral wählen, da manche günstigen Varianten selbst einen leichten Kunststoffgeruch abgeben können.

Regelmäßige Zwischenreinigung

Auch zwischen den großen Abtau-Terminen lohnt sich eine schnelle Kontrolle: einmal pro Woche Ablagen kurz feucht abwischen, abgelaufene Reste entfernen und das Gemüsefach auf Fäulnisstellen prüfen. Das verhindert, dass sich Schimmelsporen unbemerkt ausbreiten, und reduziert die Arbeit beim nächsten großen Abtauen erheblich.

Wer schon beim Kühlschrank auf Hygiene achtet, sollte auch andere Haushaltsbereiche nicht vernachlassen, wie unser Beitrag Bettzeug häufig wechseln und hygienisch lagern: So geht’s richtig zeigt.

Ein Blick auf die Temperatur

Die Weltgesundheitsorganisation und viele nationale Verbraucherschutzbehörden empfehlen für den Kühlschrank eine Temperatur von maximal 5 bis 7 °C im Hauptfach, um das Wachstum von Krankheitserregern wie Listerien oder Salmonellen deutlich zu verlangsamen. Ein einfaches Kühlschrankthermometer für wenige Euro schafft hier Klarheit, denn die Anzeige am Gerät selbst ist oft nur eine grobe Stufenskala und keine exakte Temperaturangabe.

No-Frost gegen klassische Kühlschränke: Was ändert sich beim Abtauen?

No-Frost-Geräte arbeiten mit einem Ventilator, der die Luft im Innenraum umverteilt, wodurch sich kaum Eis an den Wänden bildet – die Feuchtigkeit wird stattdessen zu einem versteckten Verdampfer geleitet und dort automatisch periodisch abgetaut. Der Vorteil: kein manuelles Abtauen im Alltag nötig. Der Nachteil: Lebensmittel trocknen durch die ständige Luftzirkulation etwas schneller aus, wenn sie nicht gut verpackt sind. Klassische Geräte mit statischer Kühlung halten die Luftfeuchtigkeit besser, benötigen aber eben das beschriebene manuelle Abtauen.

Unabhängig vom System gilt: Auch No-Frost-Kühlschränke sollten regelmäßig komplett geleert und innen gereinigt werden, da sich Bakterien und Gerüche unabhängig von der Eisbildung ansammeln können.

Häufige Fehler beim Abtauen und Lagern

  • Zu seltenes Abtauen, bis das Gefrierfach kaum noch nutzbar ist
  • Verwendung von Messern oder scharfen Gegenständen zum Entfernen des Eises
  • Warme oder heiße Speisen direkt in den Kühlschrank stellen – das erhöht kurzfristig die Innentemperatur im ganzen Gerät und belastet andere Lebensmittel
  • Kühlschrank zu voll packen, sodass die Luft nicht mehr zirkulieren kann
  • Rohes Fleisch offen oder über anderen Lebensmitteln lagern

Fazit

Abtauen ist kein lästiges Nebenprojekt, sondern eine Wartungsmaßnahme, die direkt Energiekosten senkt und die Lebensmittelsicherheit verbessert. Wer sich an einen festen Rhythmus hält – grobe Sichtkontrolle wöchentlich, komplettes Abtauen und Reinigen alle sechs bis acht Wochen bei klassischen Geräten beziehungsweise ein- bis zweimal jährlich bei No-Frost-Modellen –, hat spürbar weniger Ärger mit Gerüchen, Eis und vorzeitig verdorbenen Lebensmitteln. Die richtige Lagerung nach Temperaturzonen rundet das Ganze ab: Was unten liegt, bleibt länger sicher, was in der Tür liegt, sollte robust sein.

Häufig gestellte Fragen

Wie lange dauert es, einen Kühlschrank komplett abzutauen? Je nach Eisdicke und Raumtemperatur zwischen einer und drei Stunden. Mit einer Schüssel warmem Wasser im Gefrierfach lässt sich der Vorgang deutlich beschleunigen.

Kann ich den Kühlschrank während des Abtauens laufen lassen? Nein, das Gerät sollte für die Dauer des Abtauens ausgeschaltet oder vom Strom getrennt sein, sonst kühlt der Kompressor gegen die auftauende Feuchtigkeit an, und der Effekt bleibt aus.

Warum bildet sich in meinem Kühlschrank ständig neues Eis? Meist liegt es an einer undichten Türdichtung, zu häufigem oder zu langem Öffnen der Tür oder an warmen, unverpackten Lebensmitteln, die viel Feuchtigkeit abgeben. Eine beschädigte Dichtung sollte ausgetauscht werden, da sie sonst dauerhaft mehr Energie verbraucht.

Wie lange sind aufgetaute Lebensmittel aus dem Gefrierfach im Kühlschrank haltbar? Als grobe Orientierung gelten ein bis zwei Tage im Kühlschrank für die meisten aufgetauten Lebensmittel, bevor sie verarbeitet werden sollten. Rohes Hackfleisch sollte am besten noch am selben oder folgenden Tag verkocht werden.

Ist es normal, dass der Kühlschrank nach dem Abtauen anders riecht? Ein leicht neutraler Geruch durch Reinigungsmittel ist normal und verflüchtigt sich nach ein bis zwei Tagen. Anhaltende unangenehme Gerüche deuten meist auf Reste in Dichtungen, im Ablaufloch oder auf Schimmelstellen hin, die noch einmal gezielt nachgereinigt werden sollten.

Quellen

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