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Bohnen und Linsen schnell garen ohne Einweichen: So geht's wirklich

Von Mara Vogt, Redaktion

Bohnen und Linsen schnell garen ohne Einweichen: So geht's wirklich

Wer abends feststellt, dass die Kichererbsen für morgen noch trocken in der Tüte liegen, kennt das Problem: Die klassische Küchenweisheit verlangt zwölf Stunden Einweichzeit, und die hat man nicht immer. Dabei lassen sich Bohnen und Linsen mit ein paar Kniffen deutlich schneller auf den Tisch bringen, ohne dass sie hart, mehlig oder unverdaulich bleiben. Wie gut das funktioniert, hängt stark von der Hülsenfruchtart, dem Wasser und der Gartechnik ab – hier die konkreten Unterschiede.

Warum Einweichen überhaupt empfohlen wird

Einweichen erfüllt zwei Aufgaben: Es verkürzt die spätere Garzeit, weil die Hülsen bereits Wasser aufgenommen haben, und es reduziert einen Teil der schwer verdaulichen Oligosaccharide und Phytate, die für Blähungen und eine geringere Nährstoffverfügbarkeit mitverantwortlich sind. Ganz verzichten muss man auf diesen Effekt nicht, wenn man nicht einweicht – man verlagert ihn nur. Beim schnellen Garen ohne Einweichzeit braucht es also entweder mehr Hitze, mehr Zeit im Topf oder ein Hilfsmittel wie den Schnellkochtopf, um denselben Effekt zu erzielen.

Ein Sonderfall sind Linsen, Spalterbsen und geschälte Mungbohnen: Sie sind ohnehin so klein und meist bereits von der Schale befreit, dass Einweichen für sie praktisch nie notwendig war. Ganze, ungeschälte Bohnen wie Kidneybohnen, Kichererbsen oder weiße Bohnen sind die eigentliche Herausforderung.

Die schnellste Methode: der Schnellkochtopf

Ein Schnellkochtopf (Dampfdrucktopf) ist die zuverlässigste Lösung, wenn getrocknete Bohnen ohne Einweichen in absehbarer Zeit gar werden sollen. Durch den Überdruck steigt die Siedetemperatur des Wassers deutlich über die üblichen 100 Grad Celsius, wodurch das Bindegewebe der Hülsen viel schneller aufbricht.

  • Kichererbsen, weiße Bohnen, Kidneybohnen (ungeweicht): je nach Topf und Bohnengröße üblicherweise zwischen 35 und 50 Minuten unter Druck plus Zeit zum Druckaufbau und -abbau.
  • Linsen (alle Sorten, ungeweicht): meist nur 8 bis 15 Minuten, da sie ohnehin schnell garen – der Schnellkochtopf bringt hier vor allem bei größeren Mengen einen Zeitvorteil.
  • Kichererbsen für Hummus: Wer eine besonders cremige Textur will, gart sie im Schnellkochtopf oft etwas länger als für einen Salat, weil weichere Bohnen sich leichter pürieren lassen.

Wichtig ist, den Topf nicht zu voll zu füllen, da Bohnen beim Garen aufschäumen und Schaum die Druckventile verstopfen kann. Ein Esslöffel Öl im Wasser reduziert die Schaumbildung. Die genaue Garzeit hängt außerdem vom Alter der Bohnen ab: Je länger sie gelagert wurden, desto härter werden sie und desto länger dauert das Garen – eine Herausforderung, die sich auch mit Druck nicht ganz wegdrücken lässt.

Nahaufnahme von Kichererbsen und Hülsenfrüchten in durchsichtigen Schalen, umgeben von losen Körnern und Haferflocken.

Ohne Spezialgerät: die Heißeinweich-Methode

Wer keinen Schnellkochtopf besitzt, kommt mit der sogenannten Heißeinweich-Methode („Quick Soak“) deutlich näher an ein normales Ergebnis, ohne die volle Nachtzeit zu warten:

  1. Bohnen abspülen, in einen großen Topf geben und reichlich kaltes Wasser aufgießen (etwa das Drei- bis Vierfache des Bohnenvolumens).
  2. Kurz aufkochen lassen und etwa zwei bis drei Minuten sprudelnd kochen.
  3. Topf vom Herd nehmen, Deckel auflegen und eine Stunde ziehen lassen.
  4. Wasser abschütten, frisches Wasser aufgießen und wie gewohnt weitergaren.

Diese Stunde ersetzt zwar keine zwölfstündige Einweichzeit vollständig, bringt die Bohnen aber schon so weit vor, dass die anschließende Kochzeit im Topf spürbar kürzer ausfällt – häufig um ein gutes Stück gegenüber komplett trocken gegarten Bohnen. Wie stark der Unterschied ausfällt, hängt von der Bohnensorte und ihrem Alter ab; pauschale Minutenangaben für alle Bohnenarten sind hier nicht seriös, weil die Ausgangsfeuchte der Ware stark schwankt.

Ganz ohne Einweichen: direkt im Topf garen

Manche Rezepte – etwa für Chili oder Eintöpfe – vertragen es gut, wenn Bohnen von Anfang an mitkochen, ohne vorheriges Einweichen oder Quick-Soak. Das dauert länger als jede andere Methode, funktioniert aber, wenn Zeit insgesamt kein Problem ist, nur die Vorbereitung am Abend davor fehlt.

Praktische Punkte dabei:

  • Reichlich Wasser verwenden, da die Bohnen während des Garens erheblich an Volumen zunehmen und sonst am Topfboden ansetzen.
  • Salz erst gegen Ende zugeben. Die alte Regel, Salz verhindere das Weichwerden, ist inzwischen vielfach widerlegt – tatsächlich hilft eine leichte Salzung des Kochwassers sogar dabei, dass die Schale gleichmäßiger weich wird. Wer jedoch stark mineralhaltiges, hartes Leitungswasser hat, sollte trotzdem eher gegen Ende salzen, weil harte Wasserqualität selbst die Garzeit verlängern kann.
  • Deckel nur locker aufsetzen, damit die Bohnen nicht überschäumen.
  • Immer wieder Wasser nachgießen, falls es zu stark verkocht, da freiliegende Bohnenteile über der Wasserlinie hart bleiben.

Je nach Bohnensorte und Alter kann das ungewässerte Garen im offenen Topf von etwas über einer Stunde bis zu mehreren Stunden dauern. Kichererbsen und Kidneybohnen zählen zu den zeitintensiveren Sorten, kleinere weiße Bohnen sind meist etwas schneller weich.

Eine Holzschale gefüllt mit getrockneten, bunt gemusterten Bohnen in verschiedenen Farben.

Unterschiede je Hülsenfruchtart

Nicht jede Hülsenfrucht reagiert gleich auf Zeitdruck. Ein grober Überblick, was in der Praxis realistisch ist:

Linsen (rot, gelb, braun, schwarz „Beluga“): Brauchen grundsätzlich kein Einweichen. Rote und gelbe Linsen sind meist nach 15 bis 20 Minuten im offenen Topf weich, braune und schwarze Linsen etwas länger. Im Schnellkochtopf verkürzt sich das nochmals deutlich.

Kichererbsen: Zählen zu den härteren Kandidaten. Ohne Einweichen im offenen Topf oft über zwei Stunden, im Schnellkochtopf dagegen in weniger als einer Stunde erledigt. Für Hummus lohnt sich der Schnellkochtopf besonders, weil die Bohnen dabei gleichmäßiger durchweichen als beim Kochen im offenen Topf.

Kidneybohnen und andere große Trockenbohnen (schwarze Bohnen, Pinto-, Cannellini-Bohnen): Rohe, ungeweichte Kidneybohnen enthalten vergleichsweise hohe Mengen an Phasin, einem Giftstoff, der erst durch ausreichendes, kräftiges Kochen zerstört wird. Deshalb gilt hier unabhängig von der Zeitersparnis: mindestens zehn Minuten sprudelnd kochen lassen, nicht nur sanft simmern. Der Schnellkochtopf erfüllt diese Anforderung zuverlässig.

Erbsen (ganz, halb, Spalterbsen): Spalterbsen sind wie Linsen unproblematisch und meist in 30 bis 45 Minuten weich, ganze Trockenerbsen brauchen deutlich länger und profitieren stark vom Schnellkochtopf.

Sojabohnen: Gehören zu den härtesten Hülsenfrüchten überhaupt. Ohne Einweichen und ohne Schnellkochtopf ist hier kaum ein vernünftiges Ergebnis in überschaubarer Zeit zu erreichen – wer schnell garen will, kommt am Druckgaren praktisch nicht vorbei.

Wie du Linsen und Kichererbsen im Detail auf den Punkt garst, erfährst du in Linsen und Kichererbsen richtig kochen: So gelingt gleichmäßiges, knackiges Garen.

Weitere Stellschrauben für kürzere Garzeit

Neben der grundsätzlichen Methode gibt es kleinere Hebel, die sich addieren:

  • Frische der Bohnen prüfen. Alte, seit Jahren gelagerte Trockenbohnen werden nie richtig weich, egal welche Methode man anwendet. Wer öfter Hülsenfrüchte kocht, sollte auf ein zeitnahes Verbrauchsdatum achten und größere Vorräte kühl und trocken lagern.
  • Natron in Maßen. Eine kleine Menge Natron im Kochwasser macht das Wasser leicht basisch und weicht die Zellwände schneller auf. Zu viel verändert allerdings Geschmack und Textur negativ und kann Vitamine im Kochwasser stärker abbauen – deshalb wirklich nur eine kleine Prise pro Topf verwenden, nicht mehr.
  • Klein schneiden oder halbieren geht nicht. Anders als bei Kartoffeln lässt sich die Garzeit von Bohnen nicht durch Zerteilen verkürzen, da die relevante Reaktion im Zellgewebe stattfindet und nicht primär von der Wasseraufnahme über die Schnittfläche abhängt.
  • Deckel zu, aber nicht ganz dicht. Ein geschlossener Topf hält die Temperatur konstanter als ein offener und beschleunigt das Garen etwas, ganz ohne zusätzliches Gerät.

Sicherheit und Bekömmlichkeit nicht vergessen

Schnelligkeit sollte nicht zulasten der Sicherheit gehen. Rohe oder unzureichend gegarte Bohnen, besonders Kidneybohnen, können zu Übelkeit und Magen-Darm-Beschwerden führen. Wer die Garzeit verkürzt, sollte deshalb eher auf höhere, gleichmäßige Hitze setzen (Schnellkochtopf, kräftiges Kochen) statt auf niedrige Temperatur über kurze Zeit. Informationen zu Lebensmittelhygiene und sicherer Zubereitung bietet unter anderem die Verbraucherzentrale.

Wer zu Blähungen neigt, profitiert davon, das erste Einweich- oder Kochwasser komplett abzugießen und durch frisches zu ersetzen, statt es im Rezept weiterzuverwenden – ein Teil der blähenden Stoffe geht ins Wasser über und lässt sich so entfernen, unabhängig davon, ob man klassisch einweicht oder die Schnellmethoden nutzt.

Bevor die Hülsenfrüchte überhaupt in den Topf wandern, lohnt ein Blick auf Obst und Gemüse richtig waschen: So geht’s wirklich sauber, um Rückstände zuverlässig zu entfernen.

Häufig gestellte Fragen

Werden schnell gegarte Bohnen genauso weich wie eingeweichte? Mit Schnellkochtopf oder der Heißeinweich-Methode ist das Ergebnis in der Regel kaum vom klassisch eingeweichten Ergebnis zu unterscheiden. Beim direkten Garen ohne jede Vorbehandlung im offenen Topf braucht es dafür deutlich mehr Zeit, das Endergebnis kann aber ebenso weich werden.

Muss ich Linsen überhaupt einweichen? Nein. Linsen sind klein, meist geschält oder zumindest dünnschalig und benötigen kein Einweichen, weder für die Garzeit noch aus Sicherheitsgründen.

Warum bleiben meine Bohnen trotz langer Kochzeit hart? Häufigste Ursachen sind sehr altes Bohnenmaterial, sehr hartes (kalkreiches) Leitungswasser oder zu frühes, zu starkes Salzen in Kombination mit hartem Wasser. Ein Testkauf frischerer Ware oder die Verwendung von gefiltertem Wasser löst das Problem oft.

Sind Konservenbohnen eine sinnvolle Alternative zum schnellen Garen? Ja, für viele Alltagsgerichte sind bereits gegarte Bohnen und Kichererbsen aus der Dose oder dem Glas eine praktische, sichere Option, wenn es wirklich schnell gehen muss. Geschmacklich und texturmäßig unterscheiden sie sich etwas von frisch gegarten Bohnen, meist zugunsten der selbst gekochten Variante.

Kann ich das Einweichwasser für die Suppe weiterverwenden? Davon wird oft abgeraten, weil sich blähende Kohlenhydrate und teilweise auch Antinährstoffe im Wasser lösen. Für Bekömmlichkeit und Geschmack ist es meist besser, dieses Wasser abzugießen und mit frischem Wasser weiterzukochen.

Quellen

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