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Obst und Gemüse richtig waschen: So geht's wirklich sauber

Von Mara Vogt, Redaktion

Obst und Gemüse richtig waschen: So geht's wirklich sauber

Warum gründliches Waschen wichtiger ist, als viele denken

Wer Obst und Gemüse kauft, denkt selten daran, was sich alles auf der Schale befindet. Erdreste, Pestizidrückstände, Wachsschichten, Fingerabdrücke von Dutzenden Händen im Supermarkt – all das landet mit auf dem Teller, wenn man nicht richtig wäscht. Dabei reicht ein kurzes Abspülen unter dem Wasserhahn oft nicht aus, und andererseits ist auch nicht jede Methode, die im Internet kursiert, sinnvoll oder notwendig.

Dieser Artikel zeigt, wie man Obst und Gemüse je nach Sorte richtig reinigt, welche Hausmittel tatsächlich etwas bringen und wo man sich unnötigen Aufwand sparen kann.

Was sich auf Obst und Gemüse befindet

Bevor es um die Reinigung geht, lohnt sich ein Blick darauf, womit Obst und Gemüse überhaupt in Berührung kommen:

  • Erdreste und Sand, besonders bei Wurzelgemüse wie Karotten, Kartoffeln oder Roter Bete
  • Pflanzenschutzmittelrückstände, deren Menge je nach Anbauart (konventionell oder biologisch) und Erntezeitpunkt variiert
  • Natürliche oder künstliche Wachsschichten, die etwa bei Äpfeln, Gurken oder Zitrusfrüchten den Wasserverlust verringern sollen
  • Keime und Bakterien, die durch Transport, Lagerung oder häufiges Anfassen im Handel übertragen werden können

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) weist darauf hin, dass gründliches Waschen unter fließendem Wasser einen wesentlichen Teil möglicher Rückstände und Keime entfernt, auch wenn es Pestizide, die tief in die Schale eingezogen sind, nicht vollständig beseitigen kann [BfR].

Die Grundregel: Fließendes Wasser statt Einweichen

Die einfachste und von Ernährungsexperten am häufigsten empfohlene Methode ist banal, wird aber oft falsch gemacht: Obst und Gemüse sollten unter kaltem, fließendem Leitungswasser abgespült werden – nicht in einer Schüssel mit stehendem Wasser eingeweicht.

Der Grund ist einfach: Beim Einweichen können sich Schmutzpartikel und Keime im Wasser verteilen und sich erneut auf der Oberfläche ablagern. Fließendes Wasser spült Rückstände dagegen kontinuierlich ab, statt sie nur umzuverteilen.

Bei festerem Gemüse wie Kartoffeln, Karotten oder Roter Bete hilft zusätzlich eine Gemüsebürste, um Erde aus Unebenheiten zu entfernen. Bei empfindlicheren Sorten wie Beeren reicht ein sanftes Abspülen in einem Sieb, da die Haut leicht verletzt werden kann.

Frische Tomaten und Blattgemüse werden in einem Metallsieb unter fließendem Wasser abgewaschen.

Sollte man Essig, Natron oder Spülmittel verwenden?

Im Internet finden sich unzählige Tipps, die eine Essigwasser-Lösung, Natron oder sogar Spülmittel zum Waschen von Obst und Gemüse empfehlen. Hier lohnt sich ein differenzierter Blick.

Essigwasser

Eine Mischung aus einem Teil Essig und drei Teilen Wasser wird häufig als natürliches Desinfektionsmittel beworben. Es gibt Hinweise darauf, dass Essigwasser die Anzahl von Bakterien auf der Oberfläche reduzieren kann, es entfernt Pestizidrückstände aber nicht zuverlässiger als klares Wasser. Nach dem Einweichen in Essigwasser sollte das Obst oder Gemüse in jedem Fall noch einmal mit klarem Wasser abgespült werden, damit kein Essiggeschmack zurückbleibt.

Natron (Backpulver ohne Zusätze)

Eine US-Studie der Cornell University aus dem Bereich Lebensmittelsicherheit untersuchte, ob eine Natronlösung Pestizidrückstände auf Äpfeln reduzieren kann, und kam zu dem Ergebnis, dass ein zwölfminütiges Bad in einer Backpulver-Wasser-Lösung bestimmte Rückstände wirksamer entfernte als reines Wasser oder eine Bleichmittellösung [Cornell University, Journal of Agricultural and Food Chemistry]. Für den Alltag ist das allerdings unpraktisch: Zwölf Minuten Einweichzeit pro Apfel sind kaum realistisch, wenn man mehrere Kilo Obst verarbeiten will.

Natron ist übrigens auch abseits der Küche ein nützliches Hausmittel, wie Soßenpfanne mit Backpulver reinigen: So geht’s wirklich sauber zeigt.

Spülmittel

Hiervon raten Verbraucherzentralen ausdrücklich ab. Spülmittel ist nicht für den Verzehr gedacht, kann Rückstände hinterlassen, die den Magen-Darm-Trakt reizen, und ist in Bezug auf Lebensmittelsicherheit nicht getestet. Wer glaubt, damit besonders gründlich zu reinigen, riskiert eher das Gegenteil.

Fazit zu Hausmitteln

Für den normalen Küchenalltag reicht kaltes, fließendes Wasser in Kombination mit einer Bürste bei festem Gemüse völlig aus. Essigwasser kann bei stark verschmutzter Ware oder bei Bedenken wegen Keimen eine sinnvolle Ergänzung sein, ist aber kein Muss. Natronlösungen sind eher etwas für gelegentliche, gründliche Reinigungsaktionen als für den täglichen Gebrauch.

Sorte für Sorte: So wäscht man richtig

Blattgemüse (Salat, Spinat, Feldsalat)

Blattgemüse sollte man Blatt für Blatt auseinandernehmen und in einer Schüssel mit kaltem Wasser schwenken, danach in einem Sieb unter fließendem Wasser nachspülen. Gerade zwischen den Blättern von Feldsalat oder krausem Grünkohl setzt sich häufig feiner Sand fest, der beim bloßen Abspülen unter dem Hahn nicht immer vollständig herausgeht.

Beeren

Erdbeeren, Himbeeren und Blaubeeren sollten erst kurz vor dem Verzehr gewaschen werden, da Feuchtigkeit den Verderb beschleunigt. Ein kurzes, sanftes Abspülen in einem Sieb unter mildem Wasserstrahl reicht aus. Erdbeeren wäscht man am besten mit noch anhaftendem Grün, damit kein Wasser in das Fruchtfleisch eindringen kann.

Äpfel, Birnen und anderes Kernobst

Hier lohnt sich eine kurze, aber gründliche Reinigung mit der Hand oder einer weichen Bürste unter warmem Wasser, da Wachsschichten und Rückstände an der glatten Schale gut haften. Wer die Schale mitisst, was ernährungsphysiologisch sinnvoll ist, da dort viele Ballaststoffe stecken, sollte hier besonders sorgfältig vorgehen.

Wurzelgemüse (Kartoffeln, Karotten, Rote Bete)

Eine feste Gemüsebürste unter fließendem Wasser entfernt Erde zuverlässig aus Unebenheiten und Vertiefungen. Bei Kartoffeln, die geschält werden, reicht grobes Abbürsten, bei Karotten, die oft mit Schale gegessen werden, lohnt sich gründlicheres Schrubben.

Hände waschen Brokkoli unter fließendem Wasser über der Spüle

Wer sich unsicher ist, ob Kartoffeln vor dem Kochen geschält oder nur gewaschen werden sollten, findet in Kartoffeln schälen: Methoden im Vergleich, die wirklich Zeit sparen einen praktischen Methodenvergleich.

Zitrusfrüchte

Auch wenn man die Schale von Orangen oder Zitronen meist nicht isst, lohnt sich das Waschen unter warmem Wasser mit einer Bürste, vor allem wenn die Schale zum Kochen oder als Zesten verwendet wird. Warmes Wasser löst die Wachsschicht, die auf vielen im Handel erhältlichen Zitrusfrüchten aufgebracht wird, besser als kaltes.

Kräuter

Frische Kräuter wie Petersilie, Koriander oder Basilikum am besten wie Blattgemüse behandeln: kurz in einer Schüssel Wasser schwenken, dann in einem Sieb abtropfen lassen und mit Küchenpapier trocken tupfen.

Pilze

Pilze sollten nicht lange gewässert werden, da sie wie ein Schwamm Wasser aufsaugen, was Geschmack und Textur beim Braten beeinträchtigt. Ein Abwischen mit einer feuchten Küchenrolle oder einer weichen Pilzbürste ist meist ausreichend.

Bio oder konventionell – macht das beim Waschen einen Unterschied?

Bio-Obst und -Gemüse wird ohne synthetische Pestizide angebaut, kann aber trotzdem mit natürlichen Pflanzenschutzmitteln, Erde oder Keimen in Berührung kommen. Das heißt: Auch Bio-Ware sollte grundsätzlich gewaschen werden, nur eben nicht unbedingt wegen chemischer Rückstände, sondern wegen Hygiene und Sauberkeit generell.

Bei konventionellem Obst und Gemüse mit dünner, essbarer Schale – etwa Äpfeln, Trauben oder Paprika – lohnt sich gründlicheres Waschen eher als bei Sorten, die ohnehin geschält werden, wie Zwiebeln, Bananen oder Melonen. Bei Letzteren ist trotzdem ein kurzes Abspülen der Schale sinnvoll, da beim Schneiden Keime von der Außenseite auf das Fruchtfleisch übertragen werden können.

Verschiedene Gemüsesorten wie Paprika, Zucchini, Zwiebeln, Chili und eine aufgeschnittene Zitrone liegen zusammen mit Petersilie auf einem blau-weiß gestreiften Küchentuch.

Häufige Fehler beim Waschen von Obst und Gemüse

  • Zu spätes Waschen: Wer Obst und Gemüse direkt nach dem Einkauf wäscht und dann feucht lagert, riskiert schnelleren Verderb durch Schimmelbildung. Besser: kurz vor der Verwendung waschen, außer bei Ware, die ohnehin bald verzehrt wird.
  • Einweichen statt Abspülen: Wie erwähnt, verteilt stehendes Wasser Schmutz eher, als ihn zu entfernen.
  • Schale wegwerfen aus Sorge vor Rückständen: Oft steckt gerade in der Schale ein großer Teil der Ballaststoffe und Mikronährstoffe. Gründliches Waschen ist meist die bessere Lösung als das komplette Entfernen der Schale.
  • Gemüsebürsten nicht reinigen: Eine Bürste, die selbst nie gesäubert wird, überträgt mit der Zeit eher neue Keime, als sie zu entfernen. Regelmäßiges Auskochen oder der Geschirrspüler helfen hier.

Praktischer Ablauf für den Alltag

Für alle, die keine Lust auf komplizierte Rituale haben, funktioniert folgender einfacher Ablauf in den meisten Fällen zuverlässig:

  1. Obst oder Gemüse kurz vor der Zubereitung unter kaltes, fließendes Wasser halten.
  2. Bei festen Sorten mit einer Gemüsebürste über die Oberfläche gehen.
  3. Bei Blattgemüse und Kräutern zusätzlich in einer Schüssel Wasser schwenken.
  4. Mit einem sauberen Küchentuch oder Küchenpapier trocken tupfen, das reduziert die Feuchtigkeit, auf der sich Keime leichter vermehren.

Das dauert insgesamt nur wenige Minuten mehr als ein oberflächliches Abspülen, sorgt aber für spürbar sauberere Lebensmittel.

Fazit

Obst und Gemüse richtig zu waschen ist keine Wissenschaft, aber auch keine Nebensache, die man mit einem schnellen Spritzer Wasser abhaken sollte. Kaltes, fließendes Wasser in Kombination mit einer Bürste bei festeren Sorten reicht in den allermeisten Fällen aus. Essigwasser oder Natronlösungen können bei Bedarf ergänzend helfen, sind aber kein Ersatz für die Grundregel: gründlich, unter fließendem Wasser, kurz vor dem Verzehr. Wer diese einfachen Schritte konsequent umsetzt, reduziert Rückstände, Keime und unnötige Küchenfehler gleichermaßen – ganz ohne aufwendige Spezialprodukte.

Quellen

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