Griffe und Türklinken hygienisch sauber halten: So geht's richtig

Warum Türklinken echte Keimschleudern sind
Jeder in der Wohnung fasst sie an, mehrmals täglich, oft ohne vorher die Hände zu waschen: Türklinken, Lichtschalter, Kühlschrankgriffe und Schranktüren gehören zu den am häufigsten berührten Oberflächen im gesamten Haushalt. Anders als Küchenarbeitsplatten oder Böden werden sie beim normalen Putzen aber gerne vergessen, weil sie klein und unauffällig sind.
Das Problem dabei: Auf glatten Metall- und Kunststoffoberflächen können Bakterien und Viren je nach Erreger und Umgebungsbedingungen mehrere Stunden bis Tage überleben. Das Robert Koch-Institut weist in seinen Hygieneempfehlungen ausdrücklich darauf hin, dass häufig berührte Kontaktflächen (sogenannte High-Touch-Surfaces) eine wichtige Rolle bei der Übertragung von Infektionserregern spielen können, besonders in Zeiten grippaler Infekte oder Magen-Darm-Erkrankungen im Haushalt.
Wer also einmal pro Woche putzt und dabei nur Boden und Tisch wischt, lässt genau die Stellen aus, die am intensivsten genutzt werden. Dabei braucht es keinen großen Aufwand, um das zu ändern.

Wie oft sollte man Griffe und Klinken reinigen?
Eine pauschale Regel gibt es nicht, aber ein paar praxisnahe Richtwerte haben sich bewährt:
- Normaler Alltag, gesunder Haushalt: ein- bis zweimal pro Woche gründlich abwischen, zusätzlich zur regulären Grundreinigung.
- Bei Erkältung, Grippe oder Magen-Darm-Infekt im Haushalt: täglich, am besten nach jeder Nutzung durch die erkrankte Person, mindestens aber morgens und abends.
- In Haushalten mit Kleinkindern, älteren oder immungeschwächten Personen: alle zwei bis drei Tage, da hier die Anfälligkeit für Infektionen oft höher ist.
- Eingangstür und Klingel von außen: seltener kritisch, aber nach Besuch von vielen Personen (Feiern, Handwerker) lohnt sich ein zusätzlicher Wisch.
Wichtiger als starre Intervalle ist die Beobachtung des eigenen Haushalts: Wer merkt, dass gerade eine Erkältungswelle durchs Haus geht, reinigt automatisch häufiger, ganz ohne Kalender.
Die richtige Reinigung je nach Material
Nicht jeder Griff verträgt jedes Mittel. Wer mit Essigreiniger auf Messing geht oder mit Scheuermilch auf gebürstetem Edelstahl arbeitet, riskiert Flecken oder Kratzer, die sich nicht mehr entfernen lassen. Deshalb lohnt sich ein Blick aufs Material, bevor man zum Lappen greift.
Edelstahl und verchromtes Metall
Das robusteste und pflegeleichteste Material. Ein mit warmem Wasser und etwas Spülmittel angefeuchtetes Mikrofasertuch reicht für die tägliche Reinigung völlig aus. Für eine zusätzliche Desinfektion eignen sich handelsübliche Alkoholtücher (mit rund 70 Prozent Isopropanol oder Ethanol) oder ein selbst angesetztes Wasser-Alkohol-Gemisch. Wichtig: Danach trockenwischen, damit keine Kalk- oder Schlieren entstehen. Essigreiniger ist bei verchromten Oberflächen mit Vorsicht zu verwenden, da er bei häufiger Anwendung die Schutzschicht angreifen kann.
Messing und Bronze
Unbehandeltes Messing läuft mit der Zeit natürlich an und bekommt eine Patina, das ist normal und kein Schmutz im eigentlichen Sinn. Für die hygienische Reinigung genügt ein feuchtes Tuch mit milder Seifenlauge. Aggressive Entkalker oder Zitronensäure sollten nur bei lackiertem oder versiegeltem Messing vermieden werden, da sie die Schutzschicht anlösen und danach zu noch schnellerem Anlaufen führen.
Kunststoff und lackierte Griffe
Sehr verbreitet an Innentüren und Möbeln. Kunststoff vertragen die meisten Haushaltsreiniger gut, aber stark ätzende oder lösemittelhaltige Mittel können die Oberfläche stumpf machen oder verfärben. Ein Allzweckreiniger im Verhältnis wie auf der Verpackung angegeben, aufgetragen mit einem weichen Tuch, reicht meist aus. Bei lackierten Griffen lieber sanft wischen statt kräftig schrubben, damit der Lack nicht mattiert.
Holzgriffe
Holz ist porös und nimmt Feuchtigkeit auf, weshalb man hier besonders sparsam mit Wasser umgehen sollte. Ein leicht angefeuchtetes Tuch, anschließend sofort trockenreiben, ist die schonendste Methode. Bei unbehandeltem Holz kann ein Tropfen mildes Öl (etwa Leinöl) nach der Reinigung helfen, die Oberfläche zu pflegen und Rissbildung vorzubeugen.
Türklingeln, Gegensprechanlagen und Lichtschalter
Hier ist Vorsicht mit Flüssigkeit geboten, da Feuchtigkeit in elektrische Bauteile eindringen kann. Am sichersten ist ein nur leicht angefeuchtetes Tuch oder ein Alkoholtuch, das gut ausgewrungen bzw. nicht triefend nass ist. Sprühreiniger direkt auf den Schalter zu sprühen, ist keine gute Idee, besser immer zuerst auf das Tuch geben.

Wer solche oft übersehenen Kontaktstellen im Blick behält, sollte auch einen Blick auf Kühlschranktür und Gummidichtungen hygienisch pflegen: So bleibt die Dichtung sauber werfen, denn auch dort sammeln sich unbemerkt Keime an.
Reinigen oder desinfizieren? Der Unterschied zählt
Reinigen entfernt Schmutz, Fett und einen Teil der Keime rein mechanisch durch Wischen mit Wasser und Tensiden. Desinfizieren reduziert die Zahl von Bakterien und Viren gezielt und deutlich stärker, meist auf Basis von Alkohol oder anderen chemischen Wirkstoffen.
Für den normalen Haushaltsalltag reicht laut den allgemeinen Hygieneempfehlungen des Bundesministeriums für Gesundheit und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung eine regelmäßige, gründliche Reinigung mit Wasser und Reinigungsmittel in aller Regel aus. Eine zusätzliche Desinfektion ist vor allem dann sinnvoll, wenn im Haushalt jemand akut an einer ansteckenden Erkrankung leidet, etwa an einem Noro- oder Rotavirus-Infekt, einer Grippe, oder wenn eine besonders infektanfällige Person im Haus lebt.
Wer im Alltag ohne konkreten Anlass ständig zu Desinfektionsmitteln greift, tut damit weder der eigenen Gesundheit noch der Haltbarkeit der Oberflächen einen Gefallen: Viele Desinfektionsmittel sind aggressiver als reine Reinigungsmittel und können empfindliche Materialien mit der Zeit angreifen.
Ähnliche Grundsätze gelten übrigens auch im Küchenalltag, wie unser Beitrag Küchenhandtücher und Lappen richtig desinfizieren und trocknen zeigt.
So desinfiziert man richtig, wenn es nötig ist
- Zuerst grob reinigen, um sichtbaren Schmutz und Fett zu entfernen. Desinfektionsmittel wirken auf verschmutzten Flächen schlechter.
- Alkoholisches Flächendesinfektionsmittel oder Alkoholtuch auf den Griff auftragen.
- Einwirkzeit beachten, die auf der Verpackung angegeben ist. Oft reichen 30 Sekunden bis eine Minute, aber je nach Produkt kann es abweichen.
- Nicht sofort trockenreiben, sondern an der Luft trocknen lassen, damit der Wirkstoff seine volle Zeit hat.
Praktische Alltagstricks, die wirklich helfen
- Handdesinfektionsmittel neben der Wohnungstür platzieren. Wer sich nach dem Nachhausekommen kurz die Hände desinfiziert, bevor er weitere Griffe anfasst, unterbricht die Übertragungskette schon an der Quelle.
- Feste Reinigungsroutine statt spontaner Aktionen. Klinken zusammen mit dem wöchentlichen Bad- oder Küchenputz mitzureinigen, kostet kaum zusätzliche Zeit, wenn man es fest einplant.
- Ellbogen- oder Unterarmtechnik bei öffentlichen Türen senkt zumindest außerhalb der eigenen vier Wände den Kontakt, ersetzt aber keine Reinigung der eigenen Wohnungstür.
- Wegwerftücher für den Ernstfall bereithalten, wenn jemand im Haushalt akut krank ist, statt das gleiche Stofftuch für alle Flächen zu verwenden. Kreuzkontamination lässt sich damit vermeiden.
- Türklinken nach Besuch von Handwerkern oder Lieferdiensten kurz nachwischen, besonders in der Erkältungssaison.
- Kinder früh einbeziehen. Wer Kindern zeigt, dass man nach dem Naseputzen oder Toilettengang die Hände wäscht statt direkt die Klinke anzufassen, reduziert die Keimlast spürbar.

Typische Fehler bei der Reinigung von Griffen und Klinken
Zu nasses Tuch verwenden. Tropfendes Wasser läuft in Türschlösser oder elektrische Klingelanlagen und kann dort Schäden verursachen. Ein gut ausgewrungenes Tuch reicht.
Immer das gleiche Tuch für Bad, Küche und Türklinken benutzen, ohne es zwischendurch zu wechseln oder auszuwaschen. Das verteilt Keime eher, als sie zu entfernen.
Scheuermittel auf gebürstetem Edelstahl. Feine Kratzer sammeln später noch mehr Schmutz und sehen zudem unschön aus.
Reinigung nur bei sichtbarem Schmutz. Die meisten problematischen Keime sind unsichtbar, eine blank aussehende Klinke kann trotzdem stark besiedelt sein.
Desinfektionsmittel sofort abwischen. Ohne die vorgeschriebene Einwirkzeit bleibt die gewünschte Wirkung meist aus.
Häufig gestellte Fragen
Wie oft sollte man Türklinken im Homeoffice mit häufigem Besuch reinigen? Wenn regelmäßig Kunden, Kollegen oder Lieferdienste ins Haus kommen, empfiehlt sich eine tägliche Reinigung der Eingangstür-Klinke sowie der Klinken zu häufig genutzten Räumen wie Bad oder Besprechungszimmer.
Reicht es, Griffe nur mit Wasser abzuwischen? Wasser allein löst Fett und eingetrocknete Handschweißreste nur schlecht. Ein mildes Reinigungsmittel verbessert die mechanische Entfernung von Schmutz und Keimen deutlich, eine zusätzliche Desinfektion ist damit aber noch nicht automatisch gegeben.
Sind antibakterielle Griffbezüge oder Kupfergriffe sinnvoll? Kupfer hat von Natur aus antimikrobielle Eigenschaften, die in Studien zur Keimreduktion auf Oberflächen untersucht wurden, ersetzt aber keine regelmäßige Reinigung. Antibakterielle Beschichtungen können unterstützend wirken, sind jedoch kein Freibrief, ganz auf das Putzen zu verzichten.
Was tun, wenn eine Person im Haushalt an einer ansteckenden Krankheit leidet? Griffe und Klinken, die diese Person häufig berührt, sollten möglichst täglich, im akuten Krankheitsfall auch mehrfach täglich gereinigt und bei Bedarf zusätzlich desinfiziert werden, ergänzt durch konsequentes Händewaschen aller Haushaltsmitglieder.
Können Haustiere die Keimlast an Türklinken erhöhen? Indirekt ja, etwa wenn Tiere häufig an Türen kratzen oder Pfoten mit Speichel benutzen. Eine normale wöchentliche Reinigung reicht in den meisten Fällen trotzdem aus, sofern kein akutes Krankheitsgeschehen im Haushalt vorliegt.
Fazit
Griffe und Türklinken hygienisch sauber zu halten ist kein aufwendiges Projekt, sondern eine Frage der Routine. Wer sie einmal fest in die wöchentliche Putzrunde einbaut und bei Krankheitsfällen im Haushalt kurzzeitig auf tägliche Reinigung umstellt, senkt das Übertragungsrisiko deutlich, ohne den Alltag zu verkomplizieren. Entscheidend ist weniger das teuerste Desinfektionsmittel als die Regelmäßigkeit und die richtige Wahl des Reinigungsmittels für das jeweilige Material.