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Essensgerüche aus Kühlschrank und Speisekammer natürlich entfernen

Von Mara Vogt, Redaktion

Essensgerüche aus Kühlschrank und Speisekammer natürlich entfernen

Ein Kühlschrank, der nach altem Fisch riecht, obwohl der Fisch längst gegessen ist – das kennt fast jeder Haushalt. Auch die Speisekammer entwickelt mit der Zeit einen muffigen, schweren Geruch, der sich hartnäckig in Lebensmittel, Verpackungen und sogar in frisch gekaufte Ware zieht. Die gute Nachricht: Mit ein paar einfachen Hausmitteln und etwas Systematik lassen sich diese Gerüche dauerhaft beseitigen, ohne dass chemische Sprays oder stark parfümierte Reiniger zum Einsatz kommen müssen.

Woher Gerüche im Kühlschrank wirklich kommen

Bevor man gegen einen Geruch vorgeht, lohnt sich ein Blick auf seine Ursache. Meist steckt keine geheimnisvolle Quelle dahinter, sondern eine ganz konkrete: ausgelaufene Flüssigkeiten in Gummidichtungen, vergessene Reste in hinteren Ecken, poröse Kunststoffschubladen, die Gerüche wie ein Schwamm aufsaugen, oder einfach zu lange gelagerte Lebensmittel.

Besonders hartnäckig sind Gerüche von rohem Fleisch und Fisch, da deren Abbauprodukte sich in Kunststoffoberflächen einlagern können. Auch stark riechende Käsesorten, angeschnittene Zwiebeln oder Reste von verschüttetem Saft hinterlassen oft einen Geruch, der weit über das eigentliche Lebensmittel hinaus im Innenraum verbleibt.

Ein weiterer, oft unterschätzter Faktor: die Kühlschranktemperatur selbst. Ist sie zu hoch eingestellt, vermehren sich Mikroorganismen schneller und Lebensmittel verderben früher, was wiederum die Geruchsbildung begünstigt. Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt, den Kühlschrank auf die dafür vorgesehenen Temperaturbereiche einzustellen und regelmäßig zu kontrollieren, da schon wenige Grad Unterschied die Haltbarkeit von Lebensmitteln erheblich beeinflussen können.

Eine Frau nimmt Kirschtomaten aus einem geöffneten Kühlschrank mit Glasablagen.

Die gründliche Reinigung als erster Schritt

Kein Hausmittel gegen Gerüche wirkt zuverlässig, wenn die eigentliche Ursache – Essensreste, ausgelaufene Flüssigkeiten, klebrige Rückstände – nicht vorher beseitigt wurde. Deshalb steht am Anfang immer eine gründliche Reinigung.

Kühlschrank komplett ausräumen und prüfen

Am besten räumt man den Kühlschrank vollständig leer und sortiert dabei konsequent aus: abgelaufene Produkte, angebrochene Gläser mit unklarem Alter, Reste, die niemand mehr essen möchte. Herausnehmbare Böden, Schubladen und Fächer lassen sich in der Spüle mit warmem Wasser und etwas Spülmittel reinigen. Glasplatten sollten dabei nicht mit sehr heißem Wasser in Berührung kommen, wenn sie kalt aus dem Kühlschrank kommen, da der Temperaturschock zu Rissen führen kann.

Wer beim Ausräumen ohnehin dabei ist, sollte diese Gelegenheit gleich nutzen, um mit unserer Anleitung Kühlschrank richtig abtauen und hygienisch lagern: Anleitung das Gerät gründlich abzutauen und hygienisch neu zu befüllen.

Die richtige Reinigungslösung für den Innenraum

Für die Innenflächen reicht in aller Regel eine milde Lösung aus warmem Wasser und einem Schuss Essig oder Zitronensaft. Diese Säuren lösen Fettfilme und wirken gleichzeitig leicht desodorierend. Wer Essiggeruch nicht mag, kann stattdessen eine Lösung aus Wasser und etwas Natron verwenden – Natron bindet Gerüche, statt sie nur zu überdecken, und ist zugleich ein sanftes Scheuermittel für hartnäckige Flecken.

Alle Dichtungsgummis an der Tür verdienen besondere Aufmerksamkeit: In den Falten setzen sich häufig Schimmelsporen und Essensreste fest, die für einen konstanten, schwer zu lokalisierenden Muffgeruch sorgen. Eine alte Zahnbürste eignet sich gut, um diese Zwischenräume auszubürsten.

Natürliche Hausmittel gegen Gerüche im Kühlschrank

Nach der Reinigung geht es darum, verbleibende Gerüche zu neutralisieren und neuer Geruchsbildung vorzubeugen. Hier haben sich mehrere Hausmittel bewährt, die je nach Situation unterschiedlich gut funktionieren.

Natron als Geruchsbinder

Eine offene Schale mit Natron, in eine hintere Ecke des Kühlschranks gestellt, bindet über Tage und Wochen hinweg Geruchsmoleküle aus der Luft. Anders als Duftsprays überdeckt Natron nichts, sondern nimmt Geruchsstoffe tatsächlich chemisch auf. Alle vier bis sechs Wochen sollte das Natron ausgetauscht werden, da seine Aufnahmefähigkeit mit der Zeit nachlässt.

Aktivkohle als Alternative

Aktivkohle wirkt nach einem ähnlichen Prinzip wie Natron, hat aber eine noch größere Oberfläche und gilt bei starken, hartnäckigen Gerüchen oft als wirksamer. Kleine Beutel oder Behälter mit Aktivkohlegranulat sind im Handel als spezielle Kühlschrank-Geruchsfilter erhältlich, lassen sich aber auch improvisieren, etwa mit gereinigten, offenen Gefäßen.

Kaffeesatz

Getrockneter, ungebrauchter Kaffeesatz kann ebenfalls Gerüche binden und verleiht dem Kühlschrank nebenbei eine dezente, angenehme Note. Wichtig ist, dass der Kaffeesatz vollständig getrocknet ist, bevor er in eine offene Schale gefüllt wird – feuchter Kaffeesatz kann selbst schimmeln und würde das Problem verschlimmern statt lösen.

Zitrone und Essig

Eine halbierte Zitrone, mit der Schnittfläche nach oben in den Kühlschrank gestellt, sorgt für einen frischen Duft und wirkt leicht antibakteriell. Auch eine kleine Schale mit unverdünntem Essig kann über Nacht Gerüche binden; am nächsten Morgen sollte sie allerdings wieder entfernt werden, damit der Kühlschrank nicht selbst nach Essig riecht.

Backpulver und Natron im Vergleich

Backpulver wird gelegentlich als Alternative zu Natron genannt, enthält aber zusätzliche Säuerungsmittel und ist für die Geruchsbindung weniger geeignet. Reines Natron (Natriumhydrogencarbonat) bleibt hier die bessere Wahl.

Eine Schale mit ganzen Zitronen steht neben aufgeschnittenen Zitronenhälften und Trinkgläsern auf einem Tisch.

Speisekammer und Vorratsschrank geruchsfrei halten

Die Speisekammer stellt eine etwas andere Herausforderung dar als der Kühlschrank, weil hier meist trockene Lebensmittel, Verpackungen und Gebinde über längere Zeit lagern. Gerüche entstehen hier seltener durch verderbliche Reste, dafür häufiger durch abgelaufene Gewürze, ranzig gewordenes Öl, alte Kartonverpackungen oder schlicht durch mangelnde Luftzirkulation.

Regale leeren und auf Ursachen prüfen

Auch hier gilt: Erst ausräumen, dann reinigen. Besonders Mehl, Nüsse und Trockenfrüchte können bei falscher Lagerung ranzig werden und einen unangenehmen, öligen Geruch verbreiten. Wer beim Ausräumen ein Produkt mit auffälligem Geruch findet, sollte es konsequent entsorgen, auch wenn das Mindesthaltbarkeitsdatum noch nicht erreicht ist.

Ein Sonderfall sind Kartoffeln: Werden sie zu warm, zu hell oder zu lange gelagert, können sie neben einem typischen Geruch auch vermehrt Solanin bilden, das gesundheitlich unerwünscht ist. Das Bundesinstitut für Risikobewertung rät deshalb, Kartoffeln kühl, dunkel und trocken zu lagern und angetriebene oder grün verfärbte Stellen großzügig zu entfernen.

Luftzirkulation und Feuchtigkeit

Speisekammern ohne Fenster oder mit schlechter Belüftung neigen zu einem muffigen Grundgeruch, der oft mit erhöhter Luftfeuchtigkeit zusammenhängt. Regelmäßiges Stoßlüften, wo baulich möglich, hilft ebenso wie das Vermeiden von Feuchtigkeitsquellen in unmittelbarer Nähe, etwa nasse Wischlappen oder frisch gewaschenes Gemüse. Das Umweltbundesamt weist darauf hin, dass dauerhaft hohe Luftfeuchtigkeit in Innenräumen die Grundlage für Schimmelbildung schafft – ein Grund mehr, auch fensterlose Lagerräume regelmäßig zu lüften oder zumindest gut zu durchlüften, wenn die Tür offensteht.

Natürliche Duftbeutel für die Speisekammer

Kleine Stoffbeutel mit getrocknetem Lavendel, Zedernholzspänen oder Nelken lassen sich unauffällig zwischen Regalböden platzieren. Sie wirken zwar eher überdeckend als geruchsbindend, sorgen aber für einen angenehmen Grundduft und halten nebenbei manche Vorratsschädlinge fern, worüber sich viele Haushalte zusätzlich freuen. Auch hier gilt: Sie ersetzen keine Reinigung, sondern ergänzen sie.

Vorbeugen statt immer wieder bekämpfen

Der nachhaltigste Weg zu einem geruchsfreien Kühlschrank und einer geruchsneutralen Speisekammer ist eine regelmäßige Routine statt punktueller Grundreinigung.

Es hilft, Lebensmittel grundsätzlich in gut verschlossenen Behältern statt in offenen Verpackungen zu lagern. Glasbehälter mit dichtem Deckel verhindern nicht nur, dass Gerüche entweichen, sondern auch, dass sich Gerüche verschiedener Lebensmittel gegenseitig übertragen – Käse etwa nimmt sehr leicht fremde Aromen an.

Ein fester Termin, etwa einmal im Monat, für eine kurze Kontrolle des Kühlschrankinhalts spart auf Dauer Zeit und verhindert, dass sich vergessene Reste zu einem echten Geruchsproblem entwickeln. Dabei reicht oft ein kurzer Check der Fächer, ein Blick auf Mindesthaltbarkeitsdaten und ein feuchtes Abwischen der Böden.

Auch die Speisekammer profitiert von einer solchen Routine: Wer beim Einräumen neuer Ware ältere Produkte konsequent nach vorne stellt (Prinzip „first in, first out"), verhindert, dass sich Gewürze, Öle oder Getreideprodukte über Jahre in hinteren Ecken sammeln und irgendwann unbemerkt verderben.

Ein organisierter Vorratsschrank mit Glasbehältern für Reis und Nudeln neben Gewürzflaschen an einer Pegboard-Wand in der Küche.

Wer generell auf natürliche Methoden gegen unangenehme Gerüche und unsichtbare Plagegeister setzt, findet in Staubmilben in Bettwäsche und Kissen natürlich bekämpfen: Was wirklich hilft weitere hilfreiche Tipps für ein gesünderes Zuhause.

Häufig gestellte Fragen

Wie oft sollte ich den Kühlschrank komplett reinigen? Eine gründliche Reinigung mit Ausräumen aller Fächer und Schubladen ist etwa alle vier bis sechs Wochen sinnvoll. Verschüttete Flüssigkeiten oder sichtbare Verschmutzungen sollten dagegen sofort entfernt werden, um zu verhindern, dass sie sich festsetzen.

Warum riecht mein Kühlschrank trotz Reinigung noch immer muffig? Häufig liegt die Ursache in den Türdichtungen, im Abtauwasserbehälter unter oder hinter dem Gerät oder in porösen Kunststoffteilen, die Gerüche aufgenommen haben. Auch ein verstopfter Ablaufkanal für Kondenswasser im Innenraum kann stehendes Wasser und dadurch Gerüche verursachen.

Helfen Duftsprays oder Lufterfrischer im Kühlschrank? Solche Produkte überdecken Gerüche meist nur kurzfristig, ohne die eigentliche Ursache zu beseitigen, und ihre Duftstoffe können sich zudem auf empfindliche Lebensmittel wie Butter oder Milch übertragen. Geruchsbindende Mittel wie Natron oder Aktivkohle sind für den Kühlschrank die geeignetere Wahl.

Kann ich ätherische Öle im Kühlschrank verwenden? Davon ist eher abzuraten, da konzentrierte ätherische Öle direkt auf Lebensmittel übergehen können und manche Menschen empfindlich auf die intensiven Aromen reagieren. Wer nicht darauf verzichten möchte, sollte höchstens einen einzigen Tropfen auf einem Wattepad in einem separaten, verschlossenen Gefäß verwenden.

Was tun, wenn Fischgeruch partout nicht verschwinden will? Fischgeruch zieht besonders tief in Kunststoffoberflächen ein. Hier helfen mehrere Durchgänge mit Natron-Wasser-Lösung sowie das großzügige Einreiben betroffener Flächen mit einer Zitronenhälfte. Bei sehr hartnäckigen Fällen kann eine offene Schale Natron über mehrere Tage im geschlossenen, aber leeren Kühlschrank stehen bleiben.

Quellen

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